Ich umarme mich mal selber

von Angelika

Eine liebe Freundin von mir hat da immer wieder dasselbe Problem. Sie ist ein hochbewusster klar denkender mutiger Mensch, doch wenn es um Gefühle geht, verwandelt sie sich in eine Schnecke. Wird sie verletzt, verzeiht sie sofort in Gedanken, doch jegliches aufkeimende Gefühl wird dabei in Windeseile weggedrückt. Warum? Weil das schon seit Kindertagen ihr Selbstschutz ist. Sie hat riesige Angst davor, dass sie von negativen Gefühlen dann total belegt ist. Dadurch hat sie jeglichen Zugang zu ihren Gefühle blockiert, was ihr heute unangenehm ist. Denn sie kann dann auch positive Gefühle sehr schwer in sich wahrnehmen.

So ergeht es sehr vielen Menschen, vor allem bei Männern ist das ein übliches Muster. Sich mal ruhig hinsetzen, in aller Stille mit sich sein, ohne TV oder Zeitung oder Kopfhörer ist für sie ein Ding der Unmöglichkeit. Bloß immer beschäftigt sein, denn ich habe keine Zeit für mich und meine Gefühle, ist eine der sehr beliebten Ausreden.

Warum erleben wir überhaupt Gefühlen? Das haben wir unserer lieben Seele zu verdanken, die einfach Gefühle erleben will, gegensätzliche Gefühle, denn das Einheitliche lebt sie ja in der Quelle , zu Hause. Das ist der tiefere Sinn eines Lebens. So düst sie los und sucht die Dualität der Erde, wo sie sich selber im Gegensatz zu dem, was sie ist, erfahren kann. In Kooperation mit anderen erschafft sie sich Situationen, bei denen sie sich selber neu ausdrücken und erkennen kann. Das ist es dann auch schon, wäre da nicht unsere Unwissenheit darüber und dass wir nie gelernt haben, wozu denn Gefühle da sind und wie man mir ihnen umgeht.

Was also tun? Erst mal aussteigen aus den Schuldzuweisungen, an andere oder meine eigenen. In jeder Lebensphase gibt es ein Selbst von uns, das Gefühle aller Art erlebt und nie verarbeitet hat. Alle diese Selbste (Lebensabschnitte) haben wir mit ihren Schmerzen alleine gelassen und in eine Ecke gestellt. Dadurch entwickelten wir dann Verhaltensmuster und alle die verschiedenen Bedürfnisse, die dann andere zu stillen hätten. Geht ja nicht, denn sie erlebten ja dasselbe und verfahren in der gleichen Weise wie wir.

Da ist das Babyselbst, das Kleinkind, das Schulkind, der Teenager, der/die junge Mann/Frau, der junge Erwachsene bis 30-38, das mittlere Alter von 35 bis 55, der reife Erwachsene bis 70, und der Senior Erwachsene darüber hinaus . Alles unsere Teile, mit denen wir unbewusst ein Leben lang weitergehen, beladen mir allen Gefühlen aus diesen Zeiten. Meine Freundin glaubt, dass es unendlich schmerzlich sei, sich diese Gefühle noch einmal hervorzuholen und damit zu arbeiten. Es ist aber nicht so, es ist leichter als wir meinen.

Nehmen wir einmal das kleine Kind in uns hervor, holen es aus seiner Ecke. Das bin ich und ich weiß, was mir damals zugefügt wurde, ich weiß, wie ich mich damals fühlte. Dieses kleine Wesen da muss noch immer mit diesen Schmerzen leben und niemand beachtet es, niemand umarmt es. Jetzt aber komme ich, als Erwachsener, mit viel Mitgefühl und Liebe und nehme mich auf geistiger Ebene selber einmal in die Arme, bitte um Verzeihung, dass ich es so lange nicht beachtet habe. Ich unterhalte mich mit mit ihm, liebe es einfach, höre ihm zu, vermittle ihm Geborgenheit, Sicherheit, lasse es spielen, sich ausdrücken, bis es vor Freude strahlt.
Ich tue genau das, was meine Eltern, Geschwister, Freunde oder alle die anderen damals nicht taten, ich gehe auf diesen Teil meines Wesen, mich selber einmal ein, beachte es, schenke ihm Aufmerksamkeit, gebe ihm das, was es braucht, um die damaligen Wunden endlich mit der Salbe der Liebe zu heilen. Damit heile ich mich selber und befreie mein Herz und meinen Körper von allen alten staubigen, angestauten Energien.

Dieses Ritual der Heilung kann ganz leicht und einfach vor sich gehen. Ich habe meine Kleine, mich selbst als Kleinkind, immer überall mitgenommen, lachte mit ihr, spielte in Gedanken mit ihr und gab ihr alle Aufmerksamkeit die sie brauchte.
Mit meinem Teenager führte ich lange Gespräche, lauschte ihren Träumen, erklärte ihr die
Veränderungen ihres Körpers und das damalige Verhalten der Eltern.

So nahm ich alle meine inneren Selbste zur Kenntnis, gab ihnen das, was ihnen versagt wurde, heilte ihre Wunden und befreite sie und mein Herz von diesen Energien. Auch den manchmal etwas müden und erschöpften Teil von heute, der endlich nach Hause will, verbinde ich mit Gottes wundervoller Liebe und seiner Geborgenheit. So lade ich die Batterien wieder auf !

Meine Freundin hat jetzt damit begonnen, ihr Baby und Kleinkind-Selbst abends mit ins Bett zu nehmen, sie kuscheln sich dicht an sie und schlafen glücklich ein. Selbst mit ihren Ängsten sprach sie, erklärte ihnen, dass sie erst jetzt alles verstehen würde und dass sie auch ihre Berechtigung haben, hier zu sein. Damit wurden diese Gefühle erst einmal anerkannt und angenommen. Erst seitdem sie begriffen hat, dass man hier nur inkarniert, um all die unterschiedlichen Gefühle zu erfahren, um dann Mitgefühl für alles zu entfalten und alles menschliches Verhalten zu verstehen, kann sie diese Gefühle aus ihrer göttlichen Ebene zulassen.

Jetzt ist es ihr schon etwas leichter und sie erkennt, dass es einfacher ist, als sie immer angenommen hatte. Die Liebe und das Verständnis für alles, bewirken so eine wundervolle Heilung.
Ich muss lachen, denn ich sehe sie jetzt immer in Begleitung zweier Kinder, eines links, eines rechts, und wie aufmerksam sie mit ihnen umgeht.
Das ist es, denn endlich kümmert sie sich auch um sich selbst und das Schönste dabei ist, dass sie sich dabei die ganze Zeit über selber liebevoll umarmt.

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Eine Antwort zu Ich umarme mich mal selber

  1. Nadja schreibt:

    Das ist sooo wundervoll geschrieben, dass mir beim Lesen die Tränen runtergekullert sind. Und du hast so recht! Danke für diese Worte!

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