Du hast Schuld, ich bin das Opfer

von Angelika
Es ist ein schwieriges Thema, denn gerade dieses klar rüber zu bringen, scheint fast ein Ding der Unmöglichkeit. Immer wieder erlebe ich, wie sich die Menschen in Schuldzuweisungen verlieren. Sie fühlen sich wegen etwas verletzt und die erste Reaktion ist, dem anderen die Schuld zu geben an ihrem Schmerz. Ja, es ist doch normal, der hat mich verletzt und ich leide. Also hat er die Schuld.

Auch ich dachte und empfand einmal gleich, auch ich bin dann voll und ganz in die Opferrolle eingestiegen und habe mich im Selbstmitleid gebadet. Es waren schon sehr heftige Wunden, die ich damals davon trug, so dass ich oft voller Schmerzen am Boden lag. Warum? Was habe ich denn getan? Wieso hat sich dieser Mensch jetzt so verhalten? Mein Vertrauen war zerstört und ich wandte mich natürlich von dem anderen ab, soweit es ging.

Nun, es war ein harter Weg, den ich aber gehen musste, um endlich einmal etwas ganz Wichtiges zu verstehen: dass niemand Schuld hat an meinem eigenen Schmerz, denn den füge ich mir selber zu. Ich habe angefangen, die Menschen die mir Schmerz zugefügt haben zu verstehen, warum sie so handeln. Die meisten kenne ich schon lange, so dass ich einiges aus ihrer Kindheit und ihrem Leben weiß. Als ich mir das alles anguckte, bemerkte ich, warum sie so und so auf viele Dinge reagieren. Es war eine Art automatische Reaktion, dessen sie sich gar nicht bewusst waren. Darum erkannten sie auch nicht, wie sie auf andere wirken und was sie tun.

Das, was in ihrer Vergangenheit geschah, wie sie erzogen wurden, was sie in der Kindheit erlebt hatten, die Eltern, Verwandten, Lehrer, Freunde hat alle bis heute geprägt. Aus den damaligen Verletzungen entwickelt schon das Kind eine gewisses Verhalten, um sich einerseits zu schützen und sich andererseits anerkannt und geliebt zu fühlen. Diese meistens unbewussten Muster leben wir weiter und erfahren sie ständig, denn bevor man sie nicht erkennt, erlebt man immer wieder die selben Situationen.

Ich war da nicht besser, denn auch meine alten Schmerzen habe ich in unbewusste Verhaltensmuster umgewandelt und sie gelebt. So werden wir zu unnahbaren Menschen, oder wir geben uns geheimnisvoll, bleiben zurückgezogen, ducken uns, nehmen alles hin, ertragen alles. Oder das Gegenteil: wir werden kämpferisch, greifen an, um nicht verletzt zu werden, werden aufgeblasen und überheblich, gemein und intrigant. Das sind nur ein paar Beispiele, wie wir uns entwickeln können.

Gehen wir von diesem Wissen aus und betrachten einmal den, der mich verletzt hat, dann kann ich erkennen, dass auch dieser Mensch alte Verletzungen mit sich schleppt und in gewissen Situationen mit dem gewohnten Muster reagiert. Doch das ist ihm nicht bewusst.
Wenn dieser Mensch in mir ein verletztes Gefühl auslöst, dann kann ich ebenso bei mir nachgucken, warum ich denn jetzt Schmerz empfinde. Irgendetwas ist in meiner Vergangenheit auch bei mir geschehen, das in mir jetzt in dieser Situation Schmerz auslöst. Darum reagiere ich so und fühle mich verletzt.

Was bleibt ist, dass da wahrscheinlich zwei verletzte enttäuschte Menschen sind, die durch ihre Prägungen immer wieder dasselbe erfahren. Jeder meint richtig gehandelt zu haben, jeder glaubt der andere sei schuld und er habe jetzt das Recht dazu, sich wieder einmal verletzt zu fühlen und enttäuscht zu sein. Jeder der beiden glaubt seinen Ansichten, seinen Erfahrungen, seinem Denken und seiner Wahrnehmung. Das ist der Grund, warum wir immer wieder diese Dinge erfahren und dann leiden.

Erst wenn man beginnt, einmal sich und die anderen auf einer verständnisvollen Ebene zu betrachten, die Hintergründe durchleuchtet, warum wir so handeln, warum wir so sind, dann versteht man, dass jeder glaubt seines ist das Richtige.

In Wahrheit verhält es sich ganz anders. Weder deines noch meines ist Richtig und Wahr. Wir alle sind dem alten Spiel unserer Eltern und Großeltern gefolgt. Diese haben es auch nicht besser gewusst und uns nur das weiter gegeben, das sie erfahren haben.
Ich kann also heute meinen vermeintlichen Quälgeist ansehen und erkennen, dass er es nicht besser weiß. Ich kann mich angucken und erkennen, dass auch ich es bisher nicht besser wusste und nur nach meinen alten Prägungen reagiere.

Damit ist der Grundstein gelegt, dass ich dem anderen wirklich alles verzeihen kann und ihn einfach lieben darf. Damit kann ich als erstes aus dem Drama aussteigen und aufhören, mich immer verletzt zu fühlen und mir noch mehr Schmerzen hinzuzufügen.
Je mehr Menschen dies erkennen, desto besser. Wir dürfen aufhören mit „du bist Schuld denn ich fühle mich verletzt“ oder „ich bin ein armes Opfer, weil du dich so verhältst“.

Wir alle haben dies immer wiederholt, jeder hat beide Rollen gespielt. Wie wurden verletzt und haben verletzt. Doch diese alte Energie löst sich jetzt auf, denn sie wird nicht mehr gebraucht.  Jetzt darf das echte Selbst aus uns heraustreten und das ist absolut frei von alledem, da es Bewusstsein im Licht und in der Liebe ist, mit keinen Mustern und alten Ballast behaftet. Doch wir selber sind es, die dies möglich machen, indem wir hinschauen und erkennen, was wirklich Wahrheit ist.

Dieser Beitrag wurde unter Beziehungsthemen, Verantwortung übernehmen abgelegt und mit verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

8 Antworten zu Du hast Schuld, ich bin das Opfer

  1. Arash schreibt:

    Vielen Dank für diesen weisen Text!
    Ich wünschte, die Menschen könnten es einfacher und schneller begreifen, dass sie selbst verantwortlich für ihre Gefühle sind. Jede/r nach ihrem/seinem Tempo, die Zeit existiert ohnehin nicht. Am Ende kommen wir alle an.

    In Liebe

  2. Angelika schreibt:

    Ach ja, lieber Arash,
    am Ende kommen wir alle an. Auch wenn so viele noch innerlich leiden, sich darüber nicht bewusst sind, am Ende werden wir alle gewaltig lachen über unsere Spiele, wenn wir es endlich verstehen.
    Ich zitiere hier einen wunderbaren Vers von Nari:
    Lautlos ist die Wahrheit meiner Seele, bedeutsam nur für mich,
    denn meine Wahrheiten sind nicht unbedingt deine Wahrheiten.
    Still also bleibt es, bis unsere Wahrheiten in Stille sich begegnen.
    Wie lachen wir dann, wenn wir erkennen, daß jede sich in der anderen spiegelt.
    Alles Liebe

  3. Avor schreibt:

    Hi Angelika,
    schön hast Du es hingekriegt, man kann sogar sagen fast ein Meisterwerk, es steht
    aber krass im Widerspruch mit dem was Du gestern bei dem Schlagabtausch
    geschrieben hast.
    Ich vermute, deine Seele war letzte Nacht zur Schulung auf einer der Mutterschiffe
    die unsere Erde umkreisen. Grins.

    Ein schönes WE für dich.
    Avor

  4. Angelika schreibt:

    Lieber Avor,
    danke für die Blumen, ich muß dich aber enttäuschen, weil ich die ganze Nacht auf einer Party war. Und das mit CM und Laotse, wir hatten eine Menge Spaß, sie amüsieren sich köstlich über uns. Wir sind das beliebteste Programm da oben, kann ich dir versichern.
    Herzliche Grüße, Angelika

  5. Lars schreibt:

    Liebe Angelika,

    dieser Text heute bringt es auf den Punkt. Ich finde es Toll wie Du es aufgearbeitet hast und diese Aspekte vereint hast. Vieles hast Du geklärt und echt gut zugeordnet. Mir gefällt Deine Sichtweise sehr. Schuld zu sein beeinhaltet immer so ein Geschmack von Sünde, ich mag das Wort Verantwortung lieber. Ich denke jeder hat die Verantwortung für sein handeln oder denken. Aber manchmal wenn die Last der Verantwortung zu schwer auf den Schultern wiegt, neigt man dazu diese auf andere abzuwälzen. Dies geschieht aber, so glaube ich, nicht aus Böswilligkeit sondern eher an mangelndem Bewusstsein.

    Toller Text echt klasse beschrieben.

    Alles Liebe für Dich Engel

    Lars

    • Angelika schreibt:

      Lieber Lars,
      vielen Dank für dein Schreiben. Weißt du, wir sind auf den Weg nach 5D, aber noch nicht dort. Alles ist ein Aufwachen und Erkennen, ein ständiges Rütteln und Innehalten.
      Das Bewusstsein weitet sich und das heißt schnelle Umschulung. Aber wir schaffen das alle, denn wir sind einfach großartig :).
      Wunderschönes Wochenende, Angelika

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s