Angriff, ein Hilfeschrei der Seele?

von Angelika
Oder eine Befriedigung des Egos? Das Thema beschäftigt mich seit ein paar Tagen, da dies ein Thema ist, was ich schon seit Kindertagen immer wieder erlebe.
Der Angriff selbst, sei er verbal oder körperlich wird vom Ego geleitet, aber dahinter ist ein innerer Konflikt versteckt. Mittlerweile habe ich auch dieses verstanden.

Ich bin die älteste von 4 Kindern und bekam die so undankbare Rolle zugespielt, auf meine Geschwister aufzupassen und sie zu beschützen. Oh, ich nahm sie durchaus an, aber es ist eine schwere Rolle, so dass ich mich, wann immer es ging in die Natur zurückzog um einfach mal mit mir selber zu sein. Geschah meinen Geschwistern etwas, bekam ich die Schuld zugewiesen. Wurden sie angegriffen, musste ich eingreifen. Besonders mein Bruder, der ein Träumer war, in sich gekehrt und still, war ein beliebtes Ziel für die anderen. Meine Beschützerinstinkte wurden gefordert, aber auch meine immense Verwunderung darüber und unbewusste Wissen darüber, dass Menschen sich eigentlich nicht gegenseitig verletzen mussten.

Mein Vater war chronisch eifersüchtig, das Drama in der Ehe meiner Eltern lebten auch wir Kinder mit. Im Jugendalter fand ich mich wieder, wie ich meine Mutter beschützte, indem ich mich gegen meinen Vater stellte. Ich fand mich kämpfend wieder, als wir als Teenager von ihm angegriffen wurden, meine Geschwister die sich aus Angst vor den Folgen nicht dagegen wehrten.

Immer wieder erlebte ich solche Angreifer, die versuchten andere auf irgendeine Weise klein zu bekommen. Die Ungerechtigkeit dieser Situationen schmerzte mich tief, die Verletztheit der anderen in ihren Gesichtern zu sehen trieb mich dazu aufzustehen und dem Angreifer sein Verhalten vor Augen zu führen. Was den nur noch wütender machte. Aber das schreckte mich nicht, denn ich versuchte immer wieder, diesem Menschen ihr Tun vor Augen zu halten, damit er endlich damit aufhörte, anderen Schmerz zuzufügen. Natürlich bekam ich seine Wut dann vollends ab, doch ich kämpfte unbewusst weiter, um ihnen ihr Tun mit den Folgen vor Augen zu führen.

Ich weiß, dass es dadurch immer wieder zu Missverständnissen kommt, denn niemand will freiwillig in seine Dunkelheit hineinsehen. Auch ich erfuhr den Schmerz in mir, den ihr Tun auslöste, es brannte in mir wie Feuer, aber ich wusste innerlich, dass das alles gar nicht nötig war.

Doch gerade mein Vater hatte mich dazu gebracht, tiefer in diese Menschen hineinzusehen, das Warum ihres Verhalten zu hinterfragen und ich lernte durch ihn, zu verzeihen. Gerade er, der nie einen anderen so sein lies, wie er war, der damals immer kritisierte, verurteilte, Hiebe austeilte, er brachte mich dazu, es nicht ihm gleichzutun, sondern ihn zu verstehen. Was ich fand, war ein Mensch der seit seiner Kindheit viel Schmerz, Erniedrigung und Hänseleien des eigenen Vaters und der anderen hinnehmen musste und diese Spur zog sich als roter Faden durch sein Leben.

Das Selbstwertgefühl in ihm war seit damals stark angeknackst, was ihm aber nicht bewusst war. Auch dass sein Ego einen Selbstschutz aufbaute, indem es sofort auf Angriff und Verurteilung ging, wusste er nicht. Dabei hatte auch er ein Herz voller Liebe für die Schwächeren, half wo er konnte, nur sich selber angucken, das konnte er nicht.

Seit damals trage ich den Schmerz der anderen mit, ihr Leiden und ihre verletzten Gefühle. Dass die Seelen hier nur gewisse Erfahrungen machen wollen und wir im Grunde genommen ein Spiel spielen, das nur hier auf der Erde möglich ist, habe ich verstanden. Wir leben in einer Zeit des Wandels, alles wird schonungslos aus uns herausgespült, muss angeguckt und verstanden werden, denn nur so kann es sich in Liebe transformieren.

So wie auch mein alter Weltschmerz, der gerade jetzt wieder hochkam,  die Traurigkeit darüber, dass Menschen andere nicht in ihrem So-Sein akzeptieren wollen, dass sie so viel Angst davor haben, einfach mal ihr Leben anzusehen, um sich und andere zu verstehen. Noch immer finde ich mich vor Ort, um den anderen verständlich zu machen, dass er auf Grund seiner verletzten Gefühle in sich selber nachsehen sollte, diese nicht auf andere Menschen abzuwälzen braucht, da sonst in ihm keine Heilung stattfinden kann.

Das Ego hat bisher nur seine Arbeit getan, nämlich uns zu beschützen und zu warnen vor den anderen. Dafür kann man es nicht verurteilen. Es darf in uns mit Liebe integriert werden, darf aufgefordert und eingeladen werden, sich unserem Herzen anzuschließen und neue Aufgaben in Teamarbeit mit ihm zu übernehmen. Die Wunden in uns dürfen heilen, viele haben bewusst oder unbewusst Angst davor, sich diese anzusehen, Angst vor dem eigenen Schmerz, der ihnen da entgegenkommt.

Jeder Angriff ist ein Hilfeschrei des inneren Schmerzes, der endlich befreit werden möchte. Diese Gefühle wollen nur aus ihrer dunklen Ecke befreit werden, sie sehnen sich so sehr danach, wollen nur einmal beachtet werden, um sich verwandeln zu dürfen und ebenso in die Freiheit zu gehen, die wir so sehr herbeisehnen. Wir kommen alle aus derselben Quelle und wollen jetzt wieder dorthin zurück. Gehen wir diesen Weg, im gemeinsamen Verständnis füreinander und im Wissen, dass wir immer miteinander verbunden sind.

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9 Antworten zu Angriff, ein Hilfeschrei der Seele?

  1. David von Schewski schreibt:

    Ja, sehr schön geschildert, dass wir alle nur über die Selbsreflektion zu einem erfüllteren Leben gelangen können, die Antworten und Wahrheiten liegen immer in uns selbst, sich selbst beständig zu hinterfragen ist das beste Mittel zu einer Form von Befriedigung.
    Ich denke auch, dass Aggressionen viel mit Ohnmacht zu tun haben, was das wahrhaft paradoxe an der menschlichen Natur ist, denn ein jeder Mann, der eine Frau belästigt, schlägt oder gar vergewaltigt, er ist zugleich ein Opfer seiner Ohnmacht, er ist verloren in sich selbst.

    • Angelika schreibt:

      Lieber David,
      es stimmt, dass die Ohnmacht sehr viel Leid in das Leben bringt. Weißt du, ich wünsche dass wir endlich von Kindheit auf lernen, wie wir mit den Gefühlen umgehen können, wie sie entstehen und was sie in uns bewirken. Das wäre eine Grundlage für die Gesellschaft, auf der wir ein neues Menschsein aufbauen könnten. Wieviel freier und leichter könnten wir alle aufwachsen in einem neuen Selbstbewussein und im gegenseitiger Achtung.
      Alles Liebe, Angelika

  2. helga schreibt:

    liebe angelika, du hast das alles gut erkannt. weißt du, dein vater war mit sich selbst unzufrieden,du weißt daß er kein selbstwertgefühl hatte, daß er gerne anders gewesen währe zu deiner mutter und zu euch und weil er sich gerne geändert hätte und es nicht konnte, hat er an anderen menschen rum gemäkelt. alles was er an euch zu beanstanden hatte, war eigentlich an ihn gerichtet. das ist mir schon oft aufgefallen, daß menschen die mit sich selber unzufrieden sind, immer an anderen rum meckern, weil sie sich selbst damit meinen.liebe angelika, wenn du sagst, daß dein vater auch schon von seinem vater so behandelt wurde und warscheinlich wurde dieser wiederum so von seinem vater so behandelt, muß ich dir sagen, du solltest mal eine familienaufstellung machen, damit das alles mal aufgelöst und geheilt wird, das kommt nicht nur dir und deinen kindern zugute, sondern auch deinem vater, großvater und deiner ganzen ahnen reihe .liebe angelika, hast du das schon mal in der bibel gelesen, sieben generationen werden büßen müssen für die verfehlungen der alten und das ist wirklich so. also liebe, ich wünsche dir alles gut gruß helga!!!!!!!!!!!!

    • Angelika schreibt:

      Liebste Helga,
      danke für deine Worte, denn es stimmt, dass es auch unsere Eltern und Großeltern jeweils von ihren Erziehern geprägt wurden. Auch da habe ich nachgeforscht.
      Ich konnte das ganze Drama mit meinen Vater in Liebe lösen, denn als ich das alles verstanden habe, begann ich nur noch Liebe für ihn zu fühlen und begegnete ihn immer mit einem Gefühl der Liebe und des Verständnisses. Er fühlte dies sofort und veränderte sich mir gegenüber sehr stark, wurde liebevoll und ausgeglichen. Er fühlte sich von mir angenommen und verstanden, so dass wir die letzten Jahre seines Lebens sehr viel Schönes und Heiteres zusammer erleben durften. Ich versuchte das auch meinen Geschswistern zu erklären, die es teilweise annehmen konnten, was ihnen aber schwerviel, war das Verzeihen. Gerade das aber schenkt so viel innere Befreiung und man kann allen Ballast abwerfen. Mein Vater war mein größter Lehrer und dafür danke ich ihm von ganzen Herzen.
      Alles Liebste, Angie

  3. Linda Zwiener schreibt:

    Liebe Angelika,

    ich lese in Deinen Zeilen, als wären es meine…..
    Heute weiß ich, dass mein Stiefvater mein größter Lehrer war und als er im Sterben lag, spürte er wohl, dass ich die Kraft habe, ihn zu begleiten. Er ließ von den Krankenschwestern nur nach mir rufen und sagte immer, ich solle ihn nicht allein lassen und ich konnte es auch nicht. Dieser Mann hat mir im Grunde meine Kindheit und der ganzen Familie zur Hölle gemacht und keiner der Familie hat verstanden, wie ich das schaffe, jetzt zu ihm zu stehen.
    An seinem Krankenbett, wo er mir sagte, er werde nicht mehr nach Hause kommen, in diesem Moment, öffnete sich mein Herz so weit, dass ich all seine Angst wahrnehmen konnte und mir war auf einmal so klar, dass er niemals stark war, sondern alles unter seiner Maske von cholerischer Aggressivität, Eifersucht und mit sich selbst nicht im Reinen sein, versteckt hat. Ich hatte nur noch Mitgefühl, weil ich spürte, dass jetzt alles Leid ans Licht kommt. Ich hatte nicht mal Ekel, der Schwester beim Wickeln mitzuhelfen….ich war einfach nur in der Liebe..

    Meine Mutter wollte ihn nicht mal besuchen und ich zwang sie an einem Tag, mit mir mitzugehen,
    weil ich für mich wußte, dass ich heute eine große Aufgabe zu tun hatte, denn sonst kann er nicht gehen. Ich setzte mich mit meiner Mutter zu ihm ans Krankenbett und er war sehr unruhig und ärgerlich. Ich nahm einfach meine Hand und legte sie ihm auf die Brust. Ich fragte ihn, ob er uns nicht was sagen möchte und dass es doch an der Zeit wäre, sich für alles, was er meiner Mutter, sich selbst und uns so angetan hat, zu entschuldigen und sich gegenseitig zu verzeihen. Er wehrte sich erst und dann nahm ich die Hände meiner Mutter und legte seine Hände in ihre und ich bat beide, sich für das, was sie sich gegenseitig angetan haben, zu verzeihen. In diesem Moment geschah das
    Schönste, was ich je erlebt habe. Mein Stiefvater sagte meiner Mutter zweimal sie möge ihm für alles was geschehen ist, verzeihen und selesbst meine verbitterte Mutter schaffte es, dies anzunehmen und ihr Herz zu öffnen. Es flossen die Tränen und er bat meine Mutter um einen Kuß. Diesen Moment werde ich immer in meinem Herzen behalten und er nahm dann meine Hände und konnte mir das erste Mal in seinem Leben sagen, dass er mich liebe. Ich durfte 52 Jahre alt werden, dass zu erleben, aber es war Heilung pur für uns alle. Ich erklärte ihm dann, dass er keine Angst vor dem haben soll, wo er jetzt hingeht und er brauche jetzt nicht mehr zu kämpfen, denn dort würde er nur Frieden und Ruhe finden. In dem Moment sah ich 3 Engel hinter seinem Bett stehen und ich erklärte ihm dies und das sie ihn dorthin begleiten würden. Er sah mich nur an und fragte ganz sanft. woher ich das alles wüßte…..dann ist er vor Müdigkeit eingeschlafen. Danach sagte ich zu meiner Mutter „Mama, jetzt kann er gehen und es wird nicht mehr lange dauern“ und
    am anderen Morgen ist er sanft, mit einem Lächeln auf den Lippen, hinübergegangen…..So friedlich habe ich ihn noch nie gesehen…..

    Ich weiß heute noch nicht, wo ich all diese Kraft hernahm, denn mir ging es selber nicht so gut, aber ich war einfach nur geführt und LIEBE pur…….

    Liebe Angelika, wir sollten uns vielleicht mal kennenlernen, wenn ich wieder mal nach Italien fahre…..

    Herzensgrüsse an Dich
    Linda

    • Charlotte schreibt:

      Liebe Linda,
      vielen Dank für diese herzberührende Erzählung einer so intimen Erfahrung.
      Alles Liebe von Charlotte

  4. Angelika schreibt:

    Liebste Linda,
    du hast da etwas ganz Wunderbares erlebt, du bist über dein Mensch Sein hinausgegangen und deine Seele hat dich geführt – ich bin ganz bewegt. Besonders im Tod erfahren Menschen Verzeihung und erkennen, dass hinter allen Dramen des Lebens nur ein verwundetes Herz steht, das geheilt werden kann. Vielen Dank, dass du so eine persönliche Geschichte hier mit uns teilst.
    Ich freue mich auf deine Besuch, Herzlich Willkommen!

  5. Imlasari schreibt:

    Was auch noch dazu kommt, ist dass die Menschen den Kontakt zu ihrer eigenen Energiequelle im Herzen verloren haben, bzw. vergessen haben, wie sie sich mit kosmischer Energie auftanken können. Sie neigen dazu durch bestimmte Verhaltensmuster anderen Menschen ihre Energie abzusaugen. Jeder hat dazu ein eines oder zwei der folgenden Verhaltensmuster angenommen.
    Es gibt vier verschiedene Grundtypen:
    1.) Der Schulmeister, der immer kritisiert und alles besser weiß.
    2.) Der Agressor, der agressiv wird und rumschreit
    3.) Das arme ICH, mit dem Programm: Du bist Schuld, dass es mir so schlecht geht
    4.) Der Unnahbare, der sich immer zurückzieht, um so Aufmerksamkeit zu erlangen

    Alle diese Typen saugen einem die Energie ab. Man fühlt sich nach einem Kontakt mit ihnen total leer und ausgesaugt. Doch auch sie können die abgesaugte Energie nicht lange halten, sie fällt schnell wieder ab. Erst wenn man die unerschöpfliche Energiequelle im eigenen Herzen wieder gefunden hat und sich mit Licht und Liebe aufläd, entwickelt man sich aus diesen Verhaltensmustern wieder heraus.

    Herzlichst Imlasari

  6. Angelika schreibt:

    Liebe Imlasari,
    ich kenne diese Grundtypen, sie werden in den Celestine Büchern sehr klar beschrieben. Auch in uns stecken diese Persönlichkeiten und wir erleben sie alle einmal. Letztendlich ist es die Liebe die sie alle heilt und wieder zur Einheit führt.
    Liebe Grüße, Angelika

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