Vergeben ist Befreiung

von Angelika
Das schönste und wertvollste Geschenk das ich mir selber im Laufe meines Lebens machte, ist das Lernen und Verstehen von Vergebung. Linda´s Antwort auf einen meiner Texte und die darauf folgenden Kommentare regen mich an, diese Erfahrung mit allen zu teilen, da ich eine so große Befreiung dadurch erfahren habe. LINK: Der große Segen der Vergebung!

Alles fing mit meinen Vater an, meinen größten Lehrmeister, denn er verwandelte sich vom liebevollen Papa der Kindheit in einen tyrannisierenden Kontrolleur. Das, was damals an Gefühlen in mir wachgerufen wurde, war das Negativste was man sich nur ausmalen konnte und es verfolgte mich jahrelang und wirkte sich natürlich auf mein Selbstbewusstsein und mein Verhalten aus.

Vater verlor damals die Kontrolle über uns Teenager und seine heile Welt schien in großer Gefahr. Er hatte Angst, dass wir auf die schiefe Bahn gerieten und er erkannte auch, dass er in diesem Stadium unserer Entwicklung nicht mehr der wichtigste Mensch in unserem Leben war. So entwickelte er sich zum Tyrannen, der nichts unversucht lies, um das alte Familienleben wieder herzustellen. Zudem wollte er das heile Familienbild auch im Außen präsentieren, denn das Ansehen der anderen im Dorf war ihm sehr wichtig. Er wusste einfach keinen anderen Weg als eben diesen.

Das alles erkannte ich erst Jahre später als ich hinterfragte, warum er sich denn so verhielt. Erst als ich seine Kindheit, die Jungend und seine Familie erforschte, erfuhr ich so viele Dramen die er erlebt hatte, so viel Schmerz und Leid das sich in ihn gesammelt und gestaut hatte, dass ich seine Ängste und sein Verhalten endlich verstehen konnte.
Damals habe ich dicke Tränen geweint über seinen Schmerz, ich konnte mich in ihn hineinfühlen und ich verstand eines ganz klar und deutlich: nie wieder würde ich ihn jetzt verurteilen können. Wie denn auch, denn ihm ging es ja nicht besser als mir – Wunden und Schmerzen die nicht geheilt waren und weder er selbst noch die anderen verstanden es.
Ich erkannte auch das Allerwichtigste: dass ich ihn Vergeben und alles Verzeihen konnte, denn dadurch, dass ich sein Verhalten verstand, wurde in mir etwas Neues geboren.
Das Verständnis für den anderen, der mir zwar Schmerzen zufügt hat, doch dass es dafür immer einen Grund in der Vergangenheit gab, warum er so reagierte.

Ich verstand auch, dass es immer eine Art unbewusster Selbstschutz ist, den ein Mensch sich von Kindheit an aufbaut. Es ist die Aufgabe des Ego´s uns zu beschützen und jeder, und das meine ich wörtlich, jeder Mensch macht das unbewusst.
Wir sind uns wirklich meistens gar nicht bewusst, was wir da tut und wie sich das auf den anderen auswirkt. Wir reagieren aus vielerlei Motiven heraus eben um uns zu schützen oder zu verteidigen. Ja, einmal ehrlich, wie oft verletzen oder beleidigen wir andere ohne dass uns das bewusst wird? Sehr oft, aber für uns ist es nicht sichtbar, bevor es uns der andere nicht sagt.

Was also geschah damals in mir? Ich lernte das erste Mal, dass ich Menschen vergeben kann, von ganzen Herzen und dass ich sie wieder annehmen und wirklich lieben darf.
Damals strömte so viel Liebe und Mitgefühl für meinen Vater aus mir heraus und das hat mich in meinem nachfolgenden Leben vor riesigen verdrängten Gefühlen gerettet. Denn seitdem schaffe ich es sehr schnell, jeden anderen seine Reaktionen zu verzeihen, auch wenn sie für mich schmerzhaft sind.

Diese Liebe die ich meinem Vater dann zeigte, veränderte auch ihn, denn sein Verhalten zu mir wurde weicher und sehr liebevoll, denn unbewusst merkte er, dass ich ihn annahm so wie er ist und vieles in ihm durfte dadurch heilen. Er spürte sehr wohl, dass ich ihn nicht mehr verurteilte und ablehnte und dadurch konnte er wieder seine Liebe zu mir zulassen, so dass wir wundervolle und fröhliche Stunden miteinander verbrachten. Ich konnte ihm auch liebevoll zu verstehen geben, dass
nicht alles was er tat und wie er die Dinge sah, immer das Richtige sind und er erkannte so vieles in sich und durfte es auflösen.
Mein Vater wurde im Laufe seiner letzten Jahre für mich die Liebe pur, die ich endlich verstand. Denn hinter allen seinen Wunden war ein riesiges Herz voller Liebe für alles. Als er im letzten Jahr unerwartet seinen Weg nach Hause ging, war es für mich so, als ob die Liebe aus meinem Leben verschwand. Doch ich habe ihn heute oft bei mir und fühle, dass wahre Liebe ewig ist.

Wirkliches Verzeihen entspringt der Quelle eines verstehenden Herzens.
So versuche ich den anderen hinein zu schauen und gucke dann bei mir nach, warum ich denn verletzt bin, ja, wenn diese kleine Forschung dann erfolgreich beendet ist, dann vergebe ich eigentlich ganz automatisch und ich kann wieder ganz offen auf ihn zugehen.
Wenn ich die Hintergründe für das Verhalten des anderen nicht erkenne, dann verzeihe ich trotzdem, denn ich weiß, es gibt immer ein Motiv für sein Verhalten, der meistens gar nichts mit mir zu tun hat. Ich habe es durch mein Verhalten irgendwie im ihm ausgelöst und dadurch entstand seine Reaktion.

Genau das geschieht ja auch mir selber, denn auch bei mir lösen andere noch Verhaltensweisen aus, die nicht gerade „erste Sahne“ sind und ich tapse auch noch manchmal in die Fallen hinein und mache oder sage dann etwas, das wiederum den anderen zusetzt. Nur mit dem Unterschied, dass ich mir jetzt darüber bewusst werde, vieles in mir erkennen und befreien und mich mit dem anderen aussprechen kann.
Also habe ich nicht nur gelernt den anderen zu verzeihen, sondern auch mir selber. Denn niemand ist perfekt, ganz einfach weil wir alle Menschen sind, die den Gott in sich vergessen haben.

Was wirkliches Vergeben bedeutet, das kann jeder an sich selber erfahren, denn es ist eine große innere Befreiung und ein loslassen von gestauten Energien, die ich sonst ein Leben lang mitschleppen würde. Es ist die Liebe, die sich wieder siegreich über alle Dunkelheit erhebt und die in uns ihr Licht erstrahlen lässt. Das wahre Verzeihen ist Liebe pur, die Liebe die dich verstehen lässt, dass wir alle gleich sind und alle Schmerzen in uns tragen, die geheilt werden dürfen. Jeder der den ersten Schritt in diese Richtung wagt, wird nur Liebe in sich selber erfahren und Liebe für den anderen. Namaste´ – denn Gott in mir verbeugt sich vor dem Gott in dir

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4 Antworten zu Vergeben ist Befreiung

  1. helga schreibt:

    ich danke dir für diese wunderschönen worte
    gruß helga!!

  2. Kirstin schreibt:

    liebe angie,

    ich bin heut zu nicht wirklich was in der lage aber danken möchte ich dir.

    alles liebe von kirstin

  3. Angelika schreibt:

    Ihr goldenen Engel,
    danken kann ich, dafür dass ihr hier soviel Licht verbreitet mit eurem Sein.
    Schicken wir Kirstin einmal viel Liebe, gilt für alle die es Lesen, herzlichen Dank dafür,
    Angie

  4. APIS schreibt:

    Grüß Gott an alle,

    ich drücke mich aus, So wie ich bin. Ich muss nichts und kann alles!

    Immer mehr Wesen erfassen dieses.

    Habt Ihr euch denn nicht auch schon so oft gefragt:
    Was ist wenn ich all das was ich so im Aussen lese, was an mich herantritt nicht schaffe.
    Was wenn ich da nicht mithalten kann.

    Ja, ich wurde darüber sogar manchesmal richtig zornig, weil ich mir sagte: Was schreibt Ihr da, was gebt Ihr so von euch?
    Wisst ihr, sagte ich in den Aether, dass es mir gewaltig auf den Keks geht.

    Was ist mit all Jenen Wesen die hier so eine wundervolle Mitarbeit leisten, hungern, erkranken und sich verbiegen um zu überleben. Das Leiden in Licht verwandeln? Was ist mit Jenen die kein Internet haben, ( und dere sind es so viele)
    Das hat mich stets ganz persönlich an die Religionen erinnert die ich im TURBO gang und exzessiv durchlebt habe.
    Stets war dort die Rede vom Müssen oder dieses zu unterlassen.
    Verbot – Gebot – Trennung.
    Herrschaftszeiten, –
    Gott oder das Alles was ist, lebt, atmet, erfährt Sich in uns durch uns.
    Wir sind es, Ja Wir sind die stärksten Seelen welche diesen Job übernommen haben in Freude- einst.

    „Und nun fallen alle Schranken, und nichts wird getrennt, gar nichts, weil ich mich nicht trenne, von MIR “

    Ich Bin

    In der Liebe im Jetzt mit allem was das Leben hier ausmacht und jemals ausgemacht hat.
    Ja,- ich sage auch ganz deutlch.
    Loslassen, gehen lassen verzeihen JA:

    Aufgeben – NEIN
    das hiesse ich müsste das verlassen, verleugnen worin die Allmacht IST.

    Qui bonum?
    Wem würde dies nützen?
    Kurt Meyer-Ulm
    Apis

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